Mehr als 5 Jahre sind vergangen, seit ich mit Ruth das letzte Mal auf Bergtour war. Ziemlich spontan entschieden wir uns nun auf den Juifen (1987 m) zu gehen. Ruth war noch nie da oben und ich wusste, dass der Juifen ein herrlicher Aussichtsberg ist.

Die Natur hat uns für das lange Warten mehr als entschädigt, denn schöner hätte der Tag nicht sein können.

Nach etwa 2 Stunden Aufstieg wurde es immer winterlicher. Der Schnee war gefroren und die Fahrspuren waren eisig. Wir stapften durch Pulverschnee und erreichten nach knapp drei Stunden die Rotwandalm.

Auf der Rotwandalm war tiefster Winter, aber nur optisch, denn die Sonne strahlte herrlich warm und es war absolut windstill. Klar, dass wir sehr lange auf der Alm verweilten.

Der Blick ins Karwendel war einfach gigantisch. Wir genossen diese Aussicht und konnten uns nur schwer überwinden weiter zu gehen. Doch bis zum Gipfel waren es noch etwa 350 Höhenmeter.

Nach über einer Stunde Pause ging es dann auf einer tief verschneiten Forststraße weiter aufwärts. Über den Sinn dieser "Straße" haben wir uns Gedanken gemacht und kamen zum Ergebnis, dass sie völlig sinnlos ist.

Irgendwann packte mich der "Rappel" und ich hab den Vorschlag gemacht, die Forststraße zu verlassen und direkt zum Gipfel zu steigen. Gesagt getan!

Je höher wir kamen, desto grandioser wurde die Aussicht. Hier im Vordergrund, die Marbichler Spitze (1897 m), Kafell (1905 m) und Retherkopf (1926 m). Im Mittelgrund sieht man die Seekarspitze (2053 m) und den Seeberg (2085 m).

Ob nun der "Direktanstieg" der schnellere Weg war, konnten wir nicht überprüfen. Wir freuten uns jedenfalls als wir den einsamen Gipfel erreichten.

Blick ins Achental. Dahinter der steil aufragende Guffert (2194 m) Steinberg im Rofan hat an diesem Tag wohl keine Sonne gesehen.

Auch am Gipfel haben wir eine längere Pause gemacht. Wir wollten diesen sonnigen und so herrlich windstillen Tag einfach bis zur letztmöglichen Minute auskosten. Daher war es auch nicht verwunderlich, dass beim Abstieg die Sonne schon sehr tief über dem Karwendel stand. Es war klar, dass wir heute erst bei Dunkelheit das Tal erreichen werden. Dies war aber nicht schlimm, denn Ruth, als erfahrene Bergsteigerin, hatte ihre Stirnlampe dabei....

Wieder nahmen wir einen "direkten" Weg und ließen die Alm links liegen. Wir stapften durch tiefen Schnee und es ließ sich nicht vermeiden, dass Hose und Füße naß wurden. Na ja, vermeidbar wäre es schon gewesen, schließlich hatten wir beide unsere Gamaschen im Rucksack!

Wir dachten aber weder an Hose und den Schnee der in die Schuhe rieselte, vielmehr erfreuten wir uns über das Farbenspiel des zu Ende gehenden Tages.

Hier beim letzten Tageslicht hätten wir die Batterien der Stirnlampe wechseln sollen. Doch irgendwie konnte ich Ruth überreden, dies weiter unten bei tiefster Dunkelheit zu tun!
Logistik hin oder her, es war ein traumhaft schöner Tag... und vielleicht müssen nicht wieder 5 Jahre vergehen... bis zur nächsten gemeinsamen Tour.