Sigerls Bilderbuch

Landschaften

Vierter Tag

Diesmal war es eine wirklich kalte Nacht. Das Thermometer zeigte im Zelt schon minus 4 Grad an. Da wurde ich neugierig und hab das Thermometer hinaus vor das Zelt gelegt. Es war kurz bevor die Sonne aufging und als ich einen Blick drauf warf, waren es minus 9 Grad.

 

 

 

 

Es dauerte nicht lange, da blinzelte die Sonne hinter dem Toblinger Knoten hervor. Nun war es Zeit, ganz schnell in die gefrorenen Schuhe zu schlüpfen, um die ersten Aufnahmen zu machen.

 

 

 

 

Eigenartig war, dass diesmal der Schwabenalpenkopf zuletzt von der Sonne angestrahlt wurde. Vor vier Wochen war das noch ganz anders, da wurde der Berg zuallererst von der Sonne beleuchtet.

 

 

 

 

Der vierte Tag sollte unser letzter Tag in den Dolomiten sein. Erstens weil wir nichts mehr zu essen hatten und zweitens soll es bald winterlich kalt werden. Letzteres war kaum zu glauben, denn die Sonnenstrahlen wärmten immer noch ganz toll und daher dauerte es nicht lange, bis auch unser Biwakzelt ganz trocken war.

 

 

 

 

Die Rucksäcke waren schnell gepackt, denn nach drei Tagen kehrte Routine in unser Bergvagabundenleben ein.

Wir gingen hinunter zur Drei-Zinnen-Hütte und waren doch sehr überrascht, dass trotz schönstem Wetter kein einziger Bergsteiger zu sehen war.

 

Schnell wurden ein paar Fotos gemacht, hier im Bild die Bödenseen und dahinter der Innichriedlknoten 2891 m.

 

 

 

 

Die Drei-Zinnen-Hütte mit dem „Hausberg“, dem Sextnerstein ließen wir schnell hinter uns. Plötzlich kamen wir an einem Stollenloch vorbei und uns wurde bewusst, dass hier vor vielen Jahren ein fürchterlicher Krieg tobte.

 

 

 

 

Ein Foto aus dem Stollenloch. Danach gingen wir auf breitem Weg hinüber zum Paternsattel. Zuerst wollten wir von der Drei-Zinnen-Hütte zum Büllelejoch und von dort zurück zum Paternsattel gehen. Aber wie schon geschrieben, hatten wir bis auf ein paar Müsli-Riegel nichts mehr zu essen. Außerdem wussten wir nicht, wie lange der Weg durch das Rienztal zurück zum Auto war.

 

 

 

 

Einmal in meinem Leben wollte ich der Großen-Zinne-Nordwand ganz nahe sein und Katrin hat es nicht versäumt, diesen Augenblick festzuhalten.

 

 

 

 

Dieser Blickwinkel wird von vielen Menschen gerne festgehalten. Wir hatten jedoch das Glück, dass an jenem Tag, trotz bestem Wetter, nur sehr wenige Leute unterwegs waren. Man merkte zu deutlich, dass die Schutzhütten schon alle geschlossen hatten.

 

 

 

 

Um die Drei Zinnen auch von Süden voll im Bilde zu haben, verließen wir den Weg und stiegen ca. 100 Höhenmeter ab. Dabei sahen wir auch zwei Kriegsdenkmäler.

 

 

 

 

Wir stiegen wieder auf und schon bald erreichten wir die Auronzohütte. Hier tummelten sich einige Menschen. Dies war jedoch nicht verwunderlich, weil man mit dem Auto auf geteerter Straße bis vor die Hütte fahren kann.

 

 

 

 

Schnell ließen wir die Auronzohütte hinter uns und setzten unsere Tour um die Zinnen fort. Froh waren wir, als wir schon bald eine Quelle fanden, an der wir unsere Flaschen wieder auffüllen konnten.

 

 

 

 

Nach jeder Bergkuppe tat sich eine neue Berglandschaft auf. Manche dieser Gipfel erkannten wir auch gleich wieder, so wie den Großen Rautkofel (ganz rechts im Bild) der sich vom Wildgrabenjoch in den Himmel streckt.

 

 

 

 

Wir waren nun wieder auf der Nordseite der Zinnen und mussten  sehr aufmerksam sein, denn gleich nach der Kuppe, genauer gesagt, am Rienz Ursprung, führt der Weg 102A in die Tiefe.

Wir gingen und gingen und fanden keine Abzweigung. Irgendwann stellten wir fest, dass wir die Zinnen wohl zur Gänze umrunden und erst kurz unterhalb der Zinnenhütte auf dem Weg 102 ins Rienztal runterkommen werden. Das wird ein langer Tag....

 

 

 

 

Im Rienztal waren wir, trotz märchenhaftem und zum Träumen einladendem Lärchenwald, wieder sehr konzentriert. Wir wollten wissen, wo nun der nicht gefundene Weg 102A einmündet. Doch auch da Fehlanzeige, sodass wir uns die Frage stellten: Gibt es diesen Weg 102A überhaupt??

 

 

 

 

Ein letzter Blick auf die Zinnen, ein letzter Blick auf den farbenfrohen Herbstwald. Nun ging es auf immer flacher werdendem Weg hinaus durch das untere Rienztal, bis wir die Staatsstraße im Höllensteintal erreichten. Mühselige Kilometer standen uns noch bevor, bis wir wieder beim Auto waren. Aber wir schafften es. Eine wunderschöne Bergtour ging zu Ende. Am Parkplatz angekommen, haben wir vor lauter Heißhunger nochmals den Kocher angeworfen und uns 8 Stück Käsekrainer warm gemacht. Danach fuhren wir zurück ins Achental.

Einen Tag später hat es geregnet und nochmals einen Tag später hat es geschneit, wie im Hochwinter.

 

PS: Für das Korrekturlesen bedanke ich mich bei meiner Freundin Karin aus Braunschweig ganz herzlich. Ja, was wäre ich für ein armer Mensch... ohne meine Freunde.

 

7. November 2007: Weg 102A, heute habe ich per E-Mail Antwort von der Kopass-Karten GmbH erhalten:

hallo siegfried,

spät aber doch - ich war auf urlaub - bedanke ich mich für deine berechtigte anfrage.diesen weg gibt es zur zeit nur als nicht mehr markierte steigspuren(schwierig zu finden) und wird in nächster zeit auch nicht mehr gewartet - es kann natürlich sein daß diese abkürzung in den nächsten jahren aber wieder aktiviert wird.leider werden wir kartografen mit solchen situationen tagtäglich konfrontiert."SORRY" für den umweg.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

KOMPASS-Karten GmbH

Robert Oberarzbacher

Redaktion

 

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