Alt und jung über die Unnütz-Berge
Genauer gesagt waren an jenem Tag zwei deutsch-österreichische Teams unterwegs. Während die „Alten“ auf der Zöhreralm an ihrer Fotoausrüstung hantierten und versuchten eine Panorama-Aufnahme hinzubekommen, stärkten sich die „Jungen“ auf der bewirtschafteten Alm.

Lisa und ich, die ich mit Recht als die „Alten“ bezeichnen darf - schließlich gehen wir schon über 30 Jahre gemeinsam in die Berge - packten die Fotoausrüstung wieder ein und vorbei ging es an der Zöhreralm . Nach dem Motto: Ein kleiner Vorsprung kann nicht schaden! Doch es dauerte nicht lange, da kamen sie angestürmt... es war ein wirklich junges Team... und nach einem kurzen Wortwechsel huschten sie an uns vorbei.
Es blieb mir gerade noch Zeit, die blonden Zöpfchen des Mädels aus Deutschland zu bewundern. Er, ein durch und durch sportlicher Typ aus Oberösterreich, war meinen Blicken schon längst entschwunden.
Ja, ja... die Jungen...
So richtig wollte ich mich nicht damit abfinden und gab noch mal Gas... doch es war vergeblich. Als ich mal nach oben schaute, standen die beiden schon am Gipfel des Hinterunnütz!

Nun wartete ich auf Lisa, nahm ihr die Fototasche ab und danach ging ich so schnell ich konnte den steilen Weg bergan. Ich kann es nicht erklären, aber ich wollte die beiden wenigstens noch am Gipfel sehen. Der Schweiß rannte mir in die Augen und mein Atem hörte sich an wie die Dampflock die gerade den Achensee erreichte...
Ich schaffte es tatsächlich und sah die beiden am Gipfel stehen. Kein Schweißtropfen auf der Stirn und die Zöpfchen sahen immer noch so aus, als wären sie soeben erst geflochten worden.

Wieder wurden ein paar Worte gewechselt. Und als Lisa den Gipfel erreichte, waren die beiden schon wieder in den Startlöchern. Schon bald sah man sie am Gipfelhang des Hochunnütz. Erst am Gipfel wollten sie rasten und etwas essen. Nach kurzer Pause waren auch Lisa und ich unterwegs zum Mittelgipfel, den man Hochunnütz nennt, obwohl er nicht der höchste der drei Gipfel ist. Ziemlich mühselig ging es aufwärts, trotzdem versuchte ich ein bisserl Tempo zu machen. Der Gipfelhang ist nicht steil und ich kam gut voran. Na ja, kann sein, dass ich dieses deutsch-österreichische Dream-Team noch mal zu Gesicht bekomme. Daraus wurde jedoch nix... der Gipfel war menschenleer als ich ihn erreichte. Schon längst stiegen die beiden auf der anderen Seite ab...
Frustriert stellte ich das schwere Stativ auf, machte ein paar Aufnahmen über die ich mich nicht freuen konnte, weil zwischenzeitlich der Nebel aufzog und die Sicht nicht mehr gut war.

Lisa machte erst gar nicht Rast am Gipfel, sondern ging gleich weiter Richtung Vorderunnütz. Ich packte meinen Foto-Krempel ein und stieg ihr nach. Dabei dachte ich an unsere jungen Jahre. Auch wir waren mal so flott und mühelos unterwegs, damals vor über 30 Jahren.... Mit Lisa bestieg ich nicht nur die höchsten Berge in den Alpen, mir ihr war ich auch am höchsten Berg von Amerika unterwegs. Was bleibt ist die Erinnerung...
Auch wenn ich mit meinen Gedanken in längst vergangener Zeit war, so holte mich die Gegenwart immer wieder ein. Weit vor uns ging ein Pärchen, die sich genauso wie Lisa und ich, weder in Deutschland noch in Österreich kennen gelernt hatten. Bei uns war es England und dieses junge Paar hat sich in Amerika kennen gelernt.
Wieder habe ich Lisa vor mir eingeholt, nun war es nicht mehr weit bis zum Gipfel.

Die felsige Nordflanke brachten wir zügig hinter uns. Danach schlängelte sich ein Steiglein in Serpentinen aufwärts zum Gipfelkreuz. Das war mir nicht direkt genug, mein Weg führte mich schnurstracks nach oben. Über die letzte Kuppe hinweg und da sah ich sie wieder. Sie lächelten mir entgegen so als ob sie sagen wollten: Ach, guck mal... die Alten kommen auch schon....

Auch diesmal ein kurzer Wortwechsel... wir sprachen über alles... über die Fotografie, die Hürden die sich vor einem deutsch-österreichischen Paar auftaten, sogar Wirtschaftsthemen wurden angesprochen. Viel zu früh erfolgte der endgültige Abschied, wir gaben uns die Hand und kurze Zeit später sah ich in weiter Ferne nur noch die blonden Zöpfchen im Winde wehen...

Nun machten wir ziemlich lange Rast, denn die Chance, dass wir die beiden auch noch auf der Kögelalm sehen könnten, war gleich Null. Das Wetter wurde immer schlechter, das Rofangebirge war schon längst in Wolken gehüllt. Nur der Blick zum Achensee war noch halbwegs ungetrübt.
Nochmals wurde das Stativ aufgestellt und aus sieben Hochkantaufnahmen wurde das nachfolgende Bild gemacht.

Ein schöner und für uns „Alten“ anstrengender Bergtag ging zu Ende. Inzwischen weiß ich auch, dass wir hinter Antje und Christian über die Unnützberge gewandert sind. Schön war´s...