Sigerls Bilderbuch

Landschaften

19. Juli bis 22. Juli 2008

Unterwegs am Stubaier Höhenweg

 

Ein Tourenbericht von Angela H.

 

Samstag 19.Juli 2008

 

Endlich ist es soweit! Heute beginnt mit dem Aufstieg zur Sulzenauhütte meine erste Hüttentour. Vorfreude mischt sich etwas mit Nervosität, schließlich kenne ich meinen Bergkameraden für die nächsten Tage ja nur per Mail und Telefon. Hoffentlich sind wir uns sympathisch. Außerdem habe ich ein wenig Bedenken wegen meiner derzeitigen Kondition - die war in den Jahren vorher auch schon besser. Aber das nützt nichts! Ich lerne meinen Weggefährten in Neustift auf einem Parkplatz kennen und bin sofort beruhigt. Alles in Ordnung –wir sind uns sofort sympathisch. Stellt sich nur die Frage, warum mein Rucksack so schwer ist und seiner viel leichter ist. Mir mangelt es an Erfahrung und ich habe trotz aller Bemühungen sicher zuviel Zeugs mitgenommen.

 

 

 

 

Kirchturm von Neustift

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufstieg ab Grawaalm zur Sulzenauhütte gegen 17:00 Uhr bei bewölktem Himmel. Dadurch ist es auch nicht so heiß. Der Weg durch den Wald gefällt mir, wir können ruhig gehen und uns dabei auch unterhalten. Schließlich kennen wir uns ja nicht und wollen die nächsten Tage miteinander auskommen.

 

 

 

 

 

Sulzenaualm (1857m)

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem wir den Wald hinter uns gelassen haben, können wir die Hütte bereits sehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir wandern weiter, immer die Hütte im Blickfeld. Der Sulzenaubach, der unmittelbar neben der Hütte ins Tal fließt, bietet einen interessanten Anblick. Ich habe für die Tage Betten vorbestellt. Allerdings habe ich vergessen dem Hüttenwirt mitzuteilen, dass wir heute aus dem Tal aufsteigen und erst am Abend ankommen werden. Sigerl vermutet, die Betten könnten dann einfach vergeben sein. Aber das ist mir jetzt egal. Ich bin auf Hüttentour und die Freude überwiegt. An den kommenden Tagen werde ich „Flachlandtirolerin“ das Bett vermutlich dringender brauchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach zweieinhalb Stunden sind wir angekommen. Die Hütte ist voll. Der Hüttenwirt hat die Betten wie befürchtet vergeben. Wir bekommen ein Matratzenlager zugewiesen. Das an sich ist in Ordnung, aber der Hüttenwirt hat es nicht nötig, sich für die Vergabe zur entschuldigen. Dafür ist die Dusche heiß! Auf meine Nachfrage nach einer warmen Mahlzeit werden mir Spaghetti Bolognese angeboten. Für mich an diesem Tag völlig ausreichend - schließlich habe ich mittags noch etwas gegessen und bin ja nun nicht gerade viel gewandert. Aber dennoch frage ich  mich, ob die Eiskletterer oder ein ausgehungerter Wanderer nach acht Stunden Gehzeit mit dieser kleinen Portion auskommen – zumal Wandern und Klettern auf den ersten Eindruck eine Männer Domäne zu sein scheint. Dreiviertel der Gäste sind Männer. Ich bin gespannt auf meine erste Nacht im Matratzenlager und noch mehr bin ich gespannt auf das Wetter am nächsten Tag. Laut Wettervorhersage wird ein Tiefausläufer erwartet. Dann müssten wir Morgen auf der Hütte bleiben und könnten erst am Montag weiter. Mein Weggefährte mag die Atmosphäre auf dieser Hütte nicht und ist von dem Gedanken nicht sonderlich begeistert. Meine erste Nacht verläuft gut. Ich werde gelegentlich mal wach, weil irgendwer zur Toilette muss. Aber es kann auch sein, dass ich vor lauter Freude unruhig schlafe. Den Regen in der Nacht höre ich zumindest.

 

 

 

 

 

 

 

Sonntag 20. Juli 2008

Schon im Morgengrauen wird es unruhig im Lager. Ich werde wach und frage mich, wieso es bei Regenwetter alle so eilig haben und schon vor sechs zu kramen anfangen. Ich döse weiter.

Irgendwann höre ich ein Getuschel: Es hat aufgehört zu regnen, das Barometer steigt. Mein Bergkamerad wird auch wach und ist über die Wetterlage erfreut. Und ich erst!

Jetzt geht es heute also richtig los. Nach dem Frühstück möchte Sigerl zügig los, weil er nicht weiß wie lange das Wetter hält. Ich brauche etwas bis ich mein Zeugs im Rucksack verstaut habe. Irgendwie habe ich den nicht logisch gepackt. Rucksackorganisation will auch gelernt sein. Der Tag beginnt herrlich. Es ist früh (7:45 Uhr) und durch den Regen der Nacht angenehm kühl. Heiß wird mir beim Aufstieg von ganz alleine.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Weggefährte übt mit mir bereits bei den ersten Steinplatten das „Platten gehen“ und ich bin froh, dass ich einen erfahrenen Alpinisten bei mir habe. Das Naturschauspiel mit strahlend blauem Himmel und aufsteigenden Nebelbänken ist grandios.

 

 

 

 

 

 

 

 

Manchmal wird durch den Nebel der Blick versperrt, dann kurze Zeit später reißt es wieder auf. Wir queren den Sulzenaubach mit Hilfe einer Brücke. Irgendwann muss ich mir wegen dem Anblick der sich mir bietet, verstohlen einige Tränen der Ergriffenheit wegwischen.

 

 

 

 

 

 

Auf dem Weg zum Grünausee

 

 

 

 

Sulzenaubach

 

 

 

 

Wir sind nicht die einzigen Wanderer, die aufsteigen und ich empfinde den Anblick von Wanderern in dem Zwielicht der Sonne irgendwie gespenstisch.

 

 

Nebelschwaden beim Aufstieg zum Grünausee

 

 

 

 

Eine merkwürdige Atmosphäre ist das, wenn sich Wanderer langsam durch den Nebel bergauf bewegen.

 

 

 

 

Das Wetter scheint besser zu werden

 

 

 

 

Beim Aufstieg zum Grünausee können wir auf den Gletscher sehen, der von der Sonne angestrahlt wird. Dann nach etwas mehr als einer Stunde sind wir am Grünausee.

 

 

Noch wenige Meter bis zum See

 

 

 

 

Der See trägt seinen Namen zu Recht. Er schimmert in der Sonne wunderschön grün. Wir machen direkt am See Rast. Ich stärke mich etwas während mein Bergkamerad reichlich Fotos macht.

 

 

 

 

Ich bin froh, dass Sigerl begeisterter Fotograf ist. Zum einen kann ich gut nachvollziehen, dass er alles das irgendwie festhalten möchte, zum anderen kann ich dadurch einfach ein sehr langsames Tempo gehen ohne ihn zu nerven oder zu langweilen. Mein Schneckentempo gibt ihm die Möglichkeit seinem Hobby zu frönen. Und so ergänzen sich zwei Interessen, obwohl er hier locker über den Weg joggen könnte.

 

 

 

 

 

Diese Aufnahme besteht aus 6 Hochkantbildern

 

 

 

 

 

Im Hintergrund der Aperer Freiger (3261m), im Vordergrund der Sulzenaukogel (2944m)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und schon geht’s weiter. Langsam wird der Weg steiler. Immer wieder ziehen Nebelbänke durch.

 

 

 

 

 

Wilder Freiger

 

 

 

 

 

Im Hintergrund Gamsspitzl und Wilder Freiger

 

 

 

 

 

 

 

 

Irgendwann kommt der Abzweig an dem sich die Wege zur Mairspitze und zum Niederl gabeln. Wir werden über die Mairspitze zur Nürnberger Hütte hinüber wandern. Zum einen kennt mein Bergkamerad diesen Weg selber noch nicht – er ist schon mal in der Vergangenheit über das Niederl gelaufen - zum anderen bietet sich das alleine schon wegen dem Fotowetter an.

 

 

 

 

 

Links: Aperer Freiger Mitte: Wilder Paff

 

 

 

Ich selber bin heil froh, dass wir über die Mairspitze gehen. Denn das Niederl erfordert noch mehr Trittsicherheit und Schwindelfreiheit als die Route, die wir gewählt haben. Dafür ist unser Weg etwas länger. Aber lieber länger und einfacher, als kurz und für mich womöglich gefährlich!

 

 

Fortsetzung im Teil 2

 

 

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